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Donnerstag, 27.07.2017

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69. Tag der Westfälischen Geschichte - Ein Rückblick

Gesekes Bürgermeister Dr. Remco van der Velden (l.) begrüßte die Ehrengäste des Tags der Westfälischen Geschichte und sorgte dafür, dass sie sich im Goldenen Buch der Stadt verewigten (v.l.): Dr. Daniel Berger (Akademie der Wissenschaften zu Göttingen), Dr. Andreas Neuwöhner (Direktor des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalen, Abteilung Paderborn), Mechthild Black-Veldtrup (Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalen, Abteilung Münster), Professor Wilfried Reinighaus (Vorsitzender der Historischen Kommission für Westfalen) und LWL-Direktor Matthias Löb.
Gesekes Bürgermeister Dr. Remco van der Velden (l.) begrüßte die Ehrengäste des Tags der Westfälischen Geschichte und sorgte dafür, dass sie sich im Goldenen Buch der Stadt verewigten (v.l.): Dr. Daniel Berger (Akademie der Wissenschaften zu Göttingen), Dr. Andreas Neuwöhner (Direktor des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalen, Abteilung Paderborn), Mechthild Black-Veldtrup (Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalen, Abteilung Münster), Professor Wilfried Reinighaus (Vorsitzender der Historischen Kommission für Westfalen) und LWL-Direktor Matthias Löb.
Eine besondere Ehre wurde jüngst der Stadt Geseke zuteil. Anlässlich der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte war die Hellwegstadt auserkoren worden, den 69. Tag der Westfälischen Geschichte in diesem Jahr auszurichten. Und so tummelten sich am 12. und 13. Mai zahlreiche Mitglieder des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens und der Historischen Kommission für Westfalen (LWL) in Geseke.

Zwar startete der Tag der Westfälischen Geschichte mit einer internen Tagung der Historischen Kommission für Westfalen im Rathaussaal. An diese schloss sich jedoch im Konferenzraum der Sparkasse Geseke eine gut besuchte öffentliche Podiumsdiskussion an. Sie zog eine kritische Bilanz des bis 2016 von der Historischen Kommission nach einer Bearbeitungszeit von 15 Jahren herausgegebenen vierbändigen „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“. Zu den verschiedenen Vorträgen waren alle Gesekerinnen und Geseker eingeladen. Das Interesse aus der Bevölkerung war dabei so groß, dass die offizielle Eröffnung der Gesamtveranstaltung am Freitagabend kurzerhand in einen größeren Raum verlegt werden musste.

Aus diesem Grund fand der Vortrag des gebürtigen Gesekers Dr. Daniel Berger in der "Alten Ratsschänke" statt. Rund 120 Geschichtsinteressierte waren erschienen, um Bergers Ausführungen zum Thema "Stift und Stadt im Mittelalter - Das Kanonissenstift St. Cyriakus und sein Verhältnis zur Geseker Stadt(kirche)" zu folgen. Hier erfuhren die Anwesenden, dass die Stadtkirche rechtlich gesehen nie eigenständig gewesen war, sondern immer zur Stiftskirche gehörte. Und das, obwohl die Stadtkirche älter ist, als die Stiftskirche. "Das zeigen archäologische Ausgrabungen im Mittelschiff", so Berger.

In den verschiedenen Jahrhunderten kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der Stadtkirche und der Stiftskirche. Mithilfe einer Urkunde zeigte Dr. Daniel Berger ein Beispiel für seine Behauptung auf. "Als sich Mitte des 15. Jahrhunderts Pfarrer Usselmann mit einigen Ratsleuten und einer Urkunde über die Investitur einer Vikarie Johannes des Täufers und der heiligen Katharina in der Hand auf den Weg zur Stiftsäbtissin machte, verweigerte die Äbtissin, die Gäste zu empfangen", berichtete Berger. Mehrere Versuche der Zustellung scheiterten und dokumentierten so den Unwillen der Äbtissin. "Als die Geschichte dann wieder Fahrt aufnimmt, endet sie leider abrupt, da der untere Teil der alten Urkunde nicht mehr erhalten ist", führte Berger weiter aus und erntete dafür Applaus aus dem Publikum. Denn gespannt hatten alle Zuhörer darauf gewartet, wie die Geschichte ausgehen sollte.

Beim anschließenden Empfang nutzten die Anwesenden die Chance mit den Geschichtsexperten ins Gespräch zu kommen. Zudem trugen sich die Ehrengäste des Tags der Westfälischen Geschichte ins Goldene Buch der Stadt Geseke ein.

Der zweite Veranstaltungstag begann mit einer historischen Stadtführung durch Geseke mit Bürgermeister Dr. Remco van der Velden, bevor sich der Vortrag von Roland Linde mit den "Kleinstädten zwischen Westfälischem Frieden und Säkularisation 1648-1802/03 am Beispiel Geseke" beschäftigte. Im direkten Anschluss widmete sich der ebenfalls aus Geseke stammende Paderborner Domvikar Hans Jürgen Rade dem Thema "Ausgewählte Aspekte der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Geseke". In seinen Ausführungen unterstrich Rade, dass es in Geseke eine "enorm bedeutende jüdische Gemeinde" gab, die immerhin die "zweitstärkste jüdische Gemeinde im Herzogtum Westfalen" darstellte.

Als einen "Irrwitz der Geschichte" bezeichnete Hans Jürgen Rade die Tatsache, dass die Geseker Synagoge zwar die Progromnacht überstanden habe, dann aber im Jahr 1957 abgerissen worden sei. Heute zeugt ein Gedenkstein an dieser Stelle von der jüdischen Geschichte in Geseke. Weiteres sichtbares Relikt jüdischen Lebens im Stadtbild ist der jüdische Friedhof.

Den Abschluss des 69. Tages der Westfälischen Geschichte bildete eine naturhistorische Führung des Biologen Manfred Raker von der Naturschutzstiftung Geseke e.V. durch den Dyckerhoff-Park "Mythos Stein".