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Donnerstag, 27.07.2017

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Dietrich-Bonhoeffer-Realschule: Zeitzeuge zu Besuch im Geschichtsunterricht

Bericht von Elisa Bolton und Celina Wieseler

Unsere Geschichtslehrerin Frau Baggeroer hatte sich für den 14. März etwas ganz Besonderes überlegt: Sie organisierte den Besuch des Großvaters eines Mitschülers.

Herr Joachim Tholl (83 Jahre) berichtete uns von seiner Flucht 1946 von Schlesien nach Westdeutschland und den durchlebten Ängsten während dieser schlimmen Zeit. So berichtete er davon, dass die Vertreibung für die Familie schon einige Zeit feststand, da man durch das Zuhören des verbotenen Radios schon gewarnt war. Die Mutter hatte vorsorglich für die Familie Rucksäcke aus Kartoffelnetzen genäht, die vorausschauend für die Flucht gepackt waren.

Während der Flucht erlebte Herr Tholl grausame Dinge, die er uns anschaulich darstellte. Zum Beispiel musste er miterleben, dass sein Vater beinahe von einem russischen Soldaten erschossen wurde, was aber dadurch verhindert wurde, dass die Patrone im Lauf der Pistole stecken blieb. Ein weiteres Erlebnis war, dass während der Deportation die Züge stoppten, damit die Menschen ihre Notdurft verrichten konnten. Während dieser Zeit machten sich die Begleitsoldaten einen Spaß daraus, über die Köpfe der Menschen zu schießen. Ferner musste unser Zeitzeuge nachts öfters seine Schwester verstecken, um sie vor einer Vergewaltigung durch russische Soldaten zu schützen, wie er uns eindrucksvoll mitteilte. Im Auffanglager in Westdeutschland erlernte er, dass er durch das Erledigen von Hausaufgaben seiner Mitschüler Brot für seine Familie erarbeiten konnte. Dieses war für die Familie ein wichtiges Nahrungsmittel.

Inzwischen ist Herr Tholl schon einige Male wieder im heutigen Polen gewesen und unterhält immer noch Kontakt zu der Familie, die damals den Hof seiner Familie übernommen hat.

Herr Tholl hat uns durch seine persönlichen Erfahrungen in lebhafter und anschaulicher Art und Weise das Leben sowie die menschenverachtenden Zustände während der NS-Zeit vermittelt. Durch seinen Besuch haben die Gräuel des Krieges und das Elend der Vertreibung für uns ein persönliches Gesicht bekommen, wodurch wir die Geschichte unseres Landes wesentlich besser verstehen können – ein Erlebnis, das uns allen noch lange im Gedächtnis bleiben wird! Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Tholl und Frau Baggeroer für diese beeindruckenden Geschichtsstunden!

Herr Tholl berichtete im Geschichtsunterricht über seine Flucht von Schlesien nach Westdeutschland im Jahr 1946.
Herr Tholl berichtete im Geschichtsunterricht der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule über seine Flucht von Schlesien nach Westdeutschland im Jahr 1946.