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Donnerstag, 30.03.2017

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1.000 Tage Bürgermeister - Ein Zwischenbilanz-Interview

Nun ist es auf den Tag genau 1.000 Tage her, dass Sie Bürgermeister der Stadt Geseke geworden sind. Wie war die Umstellung von der freien Wirtschaft hin zur Verwaltung?

Gerade die ersten Wochen waren schon eine große Umstellung. Die Telekommunikationsbranche ist eine junge und innovative Branche, die Verwaltung ist da doch eher anders. Nichtsdestotrotz: Ich bin im Amt angekommen und bereue den Wechsel überhaupt nicht.

Hatten Sie einen Masterplan beim Amtsantritt und welche großen Ziele wurden bislang erreicht oder auch nicht?

Den Masterplan gab es sicherlich nicht, aber ich hatte mir schon detailliert Gedanken gemacht, was ich erreichen will. Wichtigstes Ziel war, den finanziellen Sinkflug der Stadt aufzuhalten. Seit Einführung der kaufmännischen Buchführung im Jahr 2008 bis zum Jahr 2014 haben wir von 45,5 Mio. Euro Eigenkapital fast 15 Millionen Euro aufgebraucht - also fast ein Drittel in sieben Jahren. Da muss man kein Prophet sein um vorherzusagen, wann wir kein Eigenkapital mehr gehabt hätten. In den letzten beiden Jahren konnten wir dann gut fünf Mio. Euro Eigenkapital neu aufbauen und auch in diesem Jahr kommt hoffentlich noch ordentlich was dazu.

Daher Ihre Aussage beim Neujahrsempfang, dass keine Steuererhöhungen anstehen. Wie verplanen Sie den Geldsegen?

Bis 2022 werden wir die Entspannung der Finanzlage nutzen, um massiv zu investieren: in die städtischen Kindergärten und Schulen, in die Sporthallen, in den Marktplatz, in ein Verwaltungsgebäude, in Straßen, Fuß- und Radwege etc. Wir haben die Infrastruktur an vielen Stellen auf Erhalt und Verschleiß gefahren, jetzt muss es wieder voran gehen. Aber dazu brauchten wir erst den finanziellen Spielraum.

Was ist konkret geplant?

Soweit man das mit aller Vorsicht heute schon sagen kann, werden wir an den beiden städtischen Kindergartenstandorten Störmede und Ehringhausen renovieren bzw. anbauen. Die Sporthalle Mitte wird in wenigen Wochen dem Betrieb übergeben, hier müssen aber auch noch weitere Arbeiten erfolgen. Auch die Hallen im Süden, im Westen und in Störmede werden grundsaniert: Sanitär, Prallschutz, Beleuchtung, Lüftung und vieles mehr. Im Schulzentrum Mitte werden erst weitere neue Fenster eingebaut, später verkleiden wir die Betonfassaden. Auch die Ausstattung aller Schulen mit moderner Beleuchtung, Mobiliar und Computern wird spürbar verbessert werden. Als Beispiel für den Straßen- und Wegebau möchte ich den Bau eines Kreisverkehrs an der Eisenbahnunterführung am Bahnhof nennen.

Eines Ihrer erklärten Wahlziele war es, die Wirtschaft vor Ort zu unterstützen und die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe in Geseke zu realisieren. Wie fällt in diesem Bereich Ihre Bilanz aus?

Ich hatte mir vorgenommen, möglichst viele Betriebe zu besuchen. Zwar habe ich viele Unternehmen besucht, aber es sind doch weniger als ich mir zunächst vorgenommen hatte. Das liegt daran, dass ich auch möglichst viele Vereine, Organisationen und Veranstaltungen besuchen wollte. Und so musste ich in allen Bereichen Abstriche gegenüber meinen Anfangsvorstellungen machen. Um Ihre Frage konkret zu beantworten, die Neuansiedlung von Betrieben hat sehr gut funktioniert. Insgesamt konnten wir in den 1.000 Tagen 16 Betriebe auf städtischen Flächen neu ansiedeln und haben bei drei weiteren Betrieben vermittelt. Zudem ist die Gründung der Stadtwerke eine epochale Entscheidung für den Wirtschaftsstandort Geseke.

Das große Thema der letzten beiden Jahre war der immense Flüchtlingszustrom. Wie beurteilen Sie rückblickend Ihr Krisenmanagement?

Die Stadt und damit auch ich haben viel Glück gehabt. Als im Frühjahr 2015 viel spekuliert wurde, wie viele Flüchtlinge nach Europa kommen würden, hatten wir in Geseke deutlich weniger als 100 Menschen zu versorgen. Wir haben dann vorsorglich Überlegungen und Pläne für weitere 300 Menschen gemacht, so dass wir dann, als im Herbst die Zahlen exorbitant anstiegen, besser vorbereitet waren als viele andere. Was aber nicht heißt, dass wir gut vorbereitet waren. Aber wir mussten weder Sporthallen belegen, noch besonders teure Lösungen in Auftrag geben, um über 400 Menschen in wenigen Monaten unterzubringen.

Sobald in Geseke ein Neubaugebiet erschlossen wird, sind die Grundstücke auch schon verkauft. Glauben Sie, dass dieser Bauboom anhält und ist er für Geseke wünschenswert?

Der Bauboom wird weitergehen solange die Zinsen niedrig sind und solange die Wirtschaft in Geseke und der gesamten Region weiter so brummt wie aktuell. In der aktuellen Größenordnung finde ich diese Entwicklung für Geseke sehr wünschenswert.

Und was ist in den 1.000 Tagen nicht so gut gelaufen, wie Sie es sich vorgestellt haben?

In der Verwaltung haben wir beispielweise drei große Softwarepakete neu eingeführt. Die Erfahrungen, die ich hier sammeln musste, waren lehrreich aber nicht gut. Ich hatte zwischendurch den Eindruck, dass wir von den Herstellern mit Testversionen ausgestattet worden sind. Das ist für eine moderne Verwaltung nicht hinnehmbar. Eine gute IT-Ausstattung ist heutzutage elementar.

Und wie schauen Sie auf die nächsten 1.000 Tage?

Zunächst freue ich mich auf die Feierlichkeiten zum 800-jährigen Jubiläum. Das Konzert am 14. Juni und die Festwoche vom 14.-23. Juli werden mit Sicherheit herausragend. Für die Entwicklung der Stadt hoffe ich, dass wir das Investitionsprogramm abgestimmt bekommen und dann umsetzen können. Schließlich möchten wir weiter an Attraktivität gewinnen. Dann läuft auch der Grundstücksverkauf weiter positiv, die Stadt wächst und wir können für 2020 bis 2025 die nächsten Projekte in Angriff nehmen.

Also werden Sie wieder kandidieren?

Definitiv ja.

Was ist Ihr persönlicher Herzenswunsch für die Stadt?

Mein Herzenswunsch wäre, dass wir in den kommenden Jahren die Möglichkeit haben, an ausreichende Städtebaufördermittel zu gelangen. Ziel ist es mit großen Investitionen in die Attraktivität der Stadt zu investieren. Dabei könnten uns Zuschüsse sehr helfen, damit wir nicht alles selber zahlen müssen.