Bildcollage aus Geseker Ansichten
Willkommen in Geseke
Aktuell
Bürgerservice
Politik
Stadtinfos und Tourismus
Wirtschaft
Gesundheit
Soziales
Kontakt
Donnerstag, 27.07.2017

Schriftgröße

+ | - |  Standard

Darstellung

Suche

Stadtwerke-Gründung - Bürgermeister Remco van der Velden im Interview

Frage: In den letzten Jahren war immer wieder von den neuen Stadtwerken die Rede. Ist dies nun der letzte Schritt und gibt es nun tatsächlich Stadtwerke in Geseke?

Antwort: Ja, der Rat hat nun beschlossen, dass die Stadt Geseke sich mit 51 Prozent in die bestehende Projekt-Gesellschaft der Gelsenwasser-Gruppe einkauft und dann "Stadtwerke Geseke GmbH" heißt. Die neuen Stadtwerke Geseke haben zunächst nur zwei Geschäftsfelder. Zum einen halten sie 74,9 Prozent der Eigentumsanteile am Gas- und am Stromnetz in Geseke (die restlichen 25,1 Prozent gehören weiterhin der RWE/Innogy), zum anderen werden unsere Stadtwerke in der Wohnungswirtschaft aktiv sein. Ihnen gehören zukünftig verschiedene Immobilien in der Stadt und die Stadtwerke sollen in den nächsten Jahren auch attraktiven Wohnraum in Geseke schaffen.

Frage: Was ist der Hintergrund für diese Immobilientätigkeit?

Antwort: Hier gibt es zwei Hauptaspekte: Seit einigen Jahren herrscht akute Wohnungsknappheit in Geseke. Diese ist durch den Zuzug von 500 Migranten in den letzten beiden Jahren noch größer geworden. Auch für die absehbare Zukunft ist nicht mit einer Besserung zu rechnen, denn seit einigen Wochen besteht eine Residenzpflicht für bestimmte Migranten. Der geförderte soziale Wohnungsbau findet seit einigen Jahren leider kaum noch statt. Daher sollte die Stadt hier reagieren und für bezahlbaren Wohnraum sorgen. Der zweite Aspekt ist die Tatsache, dass die Einbringung der Immobilien auch die finanzielle Belastung der Stadt beim Einkauf in die Stadtwerke deutlich senkt. Wir werden den weitaus größten Teil unserer städtischen Beteiligung an den Strom- und Gasnetzen nicht mit Bargeld bezahlen, sondern mit Häusern und Grundstücken. Unser Bargeldanteil an diesem Millionenprojekt beträgt knapp 700.000 Euro, die wir ohne neue Schulden bezahlen können.

Frage: Das klingt ungewöhnlich. Mit welchen Immobilien hat sich die Stadt eingekauft?

Antwort: Immobilien als Sacheinlage statt Bargeld in eine GmbH einzubringen, ist betriebswirtschaftlich nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist es allerdings bei der Gründung von Stadtwerken. Daher freut es uns, dass Gelsenwasser dieser "Geseker Lösung" zugestimmt hat. Die Stadt hat in den letzten zwei Jahren vier Häuser in der Haholdstraße, der Lange Straße, der Turmgasse und an der Nordmauer für die Unterbringung von Migranten gekauft. Hierbei hatten wir immer schon die potentielle Einbringung in die Stadtwerke im Hinterkopf. Zusätzlich werden noch das Haus der Vereine, die Stadtverwaltung, das alte Gesundheitsamt, das Haus Thoholte sowie ein Geschäftshaus in der Fußgängerzone in die Stadtwerke eingebracht. Die Stadt mietet die Immobilien dann von den Stadtwerken zurück.  

Frage: Und das rechnet sich für die Stadt und die Stadtwerke?

Antwort: Ja, beide Seiten profitieren. Für den städtischen Haushalt entfallen die Abschreibungen auf die Gebäude, die Gebäudeunterhaltung und einige weitere kleine Posten. Auch sind nun die Stadtwerke für die Sanierung und Nachnutzung verantwortlich. Die Stadtwerke erhalten im Gegenzug Mietzahlungen und haben bereits Pläne für die Gebäude bzw. Grundstücke. Weil Immobilien- und Mietmarkt in Geseke boomen, werden Neuvermietung aber auch eventuelle Verkäufe von Wohnungen oder Gebäuden ein erfolgreiches Geschäftsfeld der Stadtwerke sein. So zeigt die Beteiligung der Gelsenwasser-Gruppe, dass man auch dort von diesem Geschäftsmodell überzeugt ist.

Frage: Und wenn sich der Immobilienboom in den nächsten Jahren abschwächt? Besteht darin ein Risiko für die Stadtwerke?

Antwort: Die Immobilien, die die Stadt für die eigene Nutzung, für Vereine oder Asylbewerber zurückmietet, sind erstmal konjunkturunabhängig. Sobald Asylbewerber anerkannt sind, wollen sie die dichtgedrängten Unterkünfte mit Gemeinschaftsküchen und gemeinsamen Sanitäreinrichtungen verlassen, um sich eine eigene Wohnung zu mieten. Wir schätzen allein für diese Personengruppe einen Bedarf von mindestens 40 bis 50 Wohnungen. Einen so hohen Leerstand haben wir in Geseke definitiv nicht. Also wird der Nachfragedruck in den nächsten Jahren weiter anhalten. Für die anerkannten Asylbewerber übernimmt bis zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit das JobCenter die Miete, so dass auch hier kein großes finanzielles Risiko besteht.

Frage: Wir haben jetzt viel von Immobilien gehört. Wie sieht das Geschäft mit dem Gas- und Stromnetz aus?

Antwort: Das was man sich gemeinhin unter dem Begriff "Stadtwerke" vorstellt, nämlich den Betrieb der Netze und den Vertrieb von Gas und Strom an Endkunden, machen unsere Stadtwerke momentan nicht. Sie sind Miteigentümer des Strom- und des Gasnetzes. Das Gasnetz wird von Gelsenwasser betrieben, ausgebaut und unterhalten, das Stromnetz weiterhin von Innogy bzw. Westnetz. Beide Unternehmen zahlen hierfür eine Pacht. Die Stadtwerke haben zwar das Eigentum, sie verkaufen aber weder Strom noch Gas an Endkunden.

Frage: Ist denn geplant, dass die Stadtwerke zukünftig auch Strom oder Gas anbieten?

Antwort: Unser Partner Gelsenwasser hat Interesse am Vertrieb signalisiert. Wir wollen die Stadtwerke aber weiterhin Schritt für Schritt und vor allem kaufmännisch sinnvoll angehen. Schon die mehreren hundert Seiten Verträge für die jetzige "Geseker Lösung" haben einiges an Arbeitszeit und Hirnschmalz erfordert. Wenn uns aber in Zukunft ein realistisches und profitables Geschäftsmodell vorgestellt wird, werden wir uns das gerne anschauen. So weit sind wir aber noch nicht.